Mühlheim a.d.D.: Streifzug durch die Stadtgeschichte



Allgemeine
Infos
Schloss
Mühlheim
Stadtteil
Stetten
Pfarrkirche
St. Magdalena
Veitskapelle und
Galluskirche
Ruine der Wallfahrtskirche
Maria Hilf

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Mühlheim hat seinen Namen wahrscheinlich von den vier Mühlen auf seiner Gemarkung. Drei standen am Wulfbach und eine direkt unterhalb der Stadt an der Donau.
 
Im Jahre 790 wird Mühlheim in einer Schenkung an das Kloster Reichenau durch Graf Gerold, einem Schwager Kaiser Karls des Großen, erstmals urkundlich erwähnt. Neben Reichenau waren auch die Klöster Petershausen und Salem hier begütert. Diese Erwähnung bezieht sich auf die 1303 als Altstadt bezeichnete Siedlung, die nördlich der heutigen Stadt liegt und sich am Ort eines römischen Wohnplatzes bildete. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde auf der rechten Donauseite durch die Grafen von Zollern die Stadt gegründet. Sie wird 1241 "burgum" genannt und schon 1266 lässt sich mit Ulrich und seiner Frau Hailwigis der Name des ersten Schultheißen finden. Zwei Jahre später (1268) erscheint im Siegel des nun als Stadt bezeichneten Fleckens das Mühlrad.     
1391 verkauft Graf Friedrich von Zollern, genannt Mülli, die Herrschaft und die Stadt samt dem wohl schon vorhandenen Schloss Mühlheim - der heutige Bau auf der Abbildung stammt aus dem Jahre 1750 - , sowie der Vogtei über das Kloster Beuron an Konrad von Weitingen. Auf ihn folgt sein Bruder Volz, der mit Beatrix von Enzberg verheiratet ist. Dessen Söhne, wiederum Konrad und Volz mit Namen, verkaufen nun die Mühlheimische Herrschaft für 8500 fl (Gulden) samt Nendingen, das ein Reichenauisches Lehen war, 1409 an die Brüder Friedrich und Engelhard von Enzberg.

Die Darstellung auf dem Umschlag
der Stadtchronik stammt von 1760
    Die Enzberger stammten aus Niefern bei Pforzheim. Sie blieben die Herren von Mühlheim bis zum Übergang der Herrschaft an Württemberg im Jahre 1806. Die Herrschaft bestand neben der Stadt aus den Dörfern und Höfen Irndorf, Nendingen, Stetten, Böttingen, Königsheim, Mahlstetten, Buchheim, Allenspach und Aggenhausen, dem Schloss Bronnen und der Vogtei über das Kloster Beuron, die 1452 an Herzog Sigismund von Österreich überging. 1386/87 kaufte die Stadt Mühlheim von Luggard der Älteren und der Jüngeren von Wartenberg und den Burgstall Kraftstein, den die Stadt seither als "freiadliges Gut" besitzt. Recht verstrickt waren die Rechtsverhältnisse in der Herrschaft. Im Vertrag von 1544 wurden sie zwischen König Ferdinand, als Graf von Hohenberg, einerseits und Hans Friedrich und Rudolf von Enzberg andererseits wie folgt geregelt: Die Enzberger hatten die hohe und forstliche Obrigkeit über Mühlheim und dem Zubehör auf dem rechten Donauufer, jedoch unbeschadet der Niederen Gerichtsbarkeit der Fridinger, sodann in Altmühlheim (- Altstadt), inner- und außerhalb des Etters von Stetten und innerhalb des Etters in den Dörfern Irndorf, Königsheim, Böttingen, Mahlstetten und Allenspach. Die Niedere Gerichtsbarkeit außerhalb der Dorfetter stand der Grafschaft Hohenberg zu. Seit 1542 steuerte die Herrschaft zum Ritterkanton Hegau. 
 
Die Beziehungen zwischen Herrschaft und Stadt sind in den Verträgen von 1511 und 1512 geregelt. Sie enthalten aber auch eine Reihe von Ge- und Verboten, Rechten und Pflichten der Mühlheimer, die uns das Leben in der Stadt am Ende des Mittelalters gut veranschaulichen. Wir wollen uns nun einige Artikel der beiden Verträge näher anschauen.

Die Hohe und Niedere Gerichtsbarkeit über die Stadt Mühlheim lag, wie erwähnt, bei denen von Enzberg. Die Mühlheimer schworen, denen von Enzberg Treue und Wahrheit zu halten, ihren Nutzen und Frommen zu fördern, Schaden abzuwenden und ihnen und ihren Amtspersonen zu gehorchen. Die Appellation gegen herrschaftliche Urteile beim Bischof von Konstanz wurde zugesichert. Die Herrschaft hatte das Recht, einen Schultheißen einzusetzen, der jedoch immer ein Mühlheimer Bürger sein musste. Am Hilariustag (13. Januar) eines jeden Jahres war Gericht und Rat neu zu besetzen und zwar wie folgt: Die ganze Gemeinde wählte einen Bürgermeister. Dieser und der (herrschaftliche) Schultheiß wählten dann die erste Person des Gerichts. Diese drei wiederum bestimmten den vierten usw. bis zwölf Richter beisammen waren. Danach wählten Schultheiß und die zwölf Richter auch die zwölf Mitglieder des Rats. Ein neu aufgenommener Bürger hatte 4fl (Gulden) und zwar je zur Hälfte an Stadt und Herrschaft zu bezahlen. Alle Briefregister, Urbane, Rodel, und andere Verzeichnisse über Zinsen und Gülten (=Grundstückserträge), Güter und Gerechtigkeiten wurden in einem Trog verwahrt, von dessen drei Schlüssel einer die Herrschaft, der zweite der Pfarrer und der dritte die Stadt besitzen sollten, damit sich kein Teil ohne Wissen des anderen darüber Vorteile verschaffen konnte.

Die Mühlheimer sollten ihr Städtchen in guten Ehren halten und die Bauvorhaben an der Stadt(befestigung) im Einvernehmen mit der Obrigkeit tätigen. Falls der Schultheiß irgendeinen Frevel (Vergehen) sah oder hörte, musste er vor dem Mühlheimer Gericht Klage erheben. Von einem Geldbetrag über zehn Pfund Heller oder weniger Strafe, die das Gericht verhängen durfte, erhielt die Herrschaft drei Teile und die Stadt einen Teil, der für den Bau der Stadtbefestigung verwendet werden sollte. Falls aber das Vergehen in die Zuständigkeit der Hohen Gerichtsbarkeit fiel oder die Strafe über zehn Pfund Heller stieg, stand den Enzbergern das alleinige Recht zur Bestrafung zu. Die von diesem Fall wurde er auf Kosten der Herrschaft eingesperrt und, falls sein Verbrechen nicht offenbar war, nur im Beisein zweier von Schultheiß und Gericht bestimmten Personen peinlich befragt und bestraft.

Auch die Strafbemessung war genau geregelt; so musste ein Mann für ein Versprechen, das er nicht hielt, zehn Pfund Heller, jedoch eine Frau für das gleiche Vergehen nur drei Pfund Heller bezahlen. Wer eine Jungfrau versetzte, war dem Gericht zehn Pfund Heller schuldig. Die Metzger mussten jeden Donnerstag und Samstag gutes Fleisch feilbieten, hatten sie keines, so mussten sie zehn Schilling Heller bezahlen. Waren die Brote der Bäcker zu klein, so waren sie fünf Schilling Heller schuldig. Das frevelhafte Übersteigen der Stadtmauer wurde mit zehn Pfund Heller belegt. Ein Fremder musste jeweils die doppelte Buße bezahlen, von der wiederum der vierte Teil den Mühlheimern gehörte.

Hart bedrängt wurden Stadt und Herrschaft Mühlheim im unseligen dreißigjährigen Krieg. Unter Truppendurchzügen mit Kontributionen (Kriegssteuern), Essens- und Fouragelieferungen, Raub, Plünderungen und Mord litt die arme Bevölkerung. Die mit ihnen einhergehenden Seuchen besorgten den Rest. Ein Zeugnis dieser grauenhaften Zeit sind die Berichte des damaligen Hufschmiedes und Stadtrechners Bartholomäus Kindler, die er in das Stadtbuch schrieb. Der schrecklichste Tag war wohl der 21.Februar 1632, als 4000 gut ausgerüstete kaiserliche Reiter die in der Stadt hausenden Schweden überfielen. Das Morden soll nach Kindler so ungeheuerlich gewesen sein, dass ein Blutstrom durch das untere Tor hinaus längs der Orststeige hinab bis zur Donau floss und ihr rechtes Ufer rot färbte. Im Schwedengrab am ehemaligen unteren Schlossgarten fanden die Ermordeten ihre letzte Ruhe. Die Bevölkerung ging in den Kriegswirren bis auf 10 Köpfe zurück.
Nur langsam erholte sich die Landschaft von dieser Auszehrung. Durch den Vertrag von 1511 wurde das alte Recht der Mühlheimer bestätigt, dass die Handwerker nur in die Stadt ihr Gewerbe ausüben durften, d.h. die Bewohner der Herrschaftsorte mussten zum Wagner, Schmied, Zimmermann etc. immer nach Mühlheim reisen. Nur langsam gelang es den Bewohnern der Herrschaft, dieses für sie so beschwerliche Privileg der Mühlheimer etwas einzuschränken. Selbstverständlich war Mühlheim der Marktort für die Herrschaft. Außer dem Handwerk gab es  nur noch einem Schmelzofen in Bronnen (ab 1698) und für kurze Zeit (1729 bis 1733) in der Altstadt. Ausdruck seiner Bedeutung und des Bürgerstolzes ist das Mühlheimer Rathaus (Abbildung), das um 1400 erbaut sein dürfte.     
 
    Schon 1275 wird in der Pfarrkirche Maria Magdalena (Abbildung links) ein Pleban (=Seelsorger) erwähnt. Die Pfarrkirche wurde 1466 und 1718 renoviert und 1794 neu erbaut. An Gotteshäusern gab es noch die frühromanische Galluskirche in der Altstadt; sie diente als Grablege der Enzberger, die ebenfalls alte Veitskapelle dortselbst, die längst abgerissene Eulogius-Kapelle am südlichen Stadttor und die 1616 geweihte Sebastiankapelle. Doch nur die Maria-Hilf-Kirche (1658 geweiht) auf dem Welschenberg hatte als Wallfahrtsort eine überörtliche Bedeutung. 1811 wurde die Wallfahrt aufgehoben, 1813 die Kirche teilweise abgebrochen.

Der Spanische Erbfolgekrieg, der Siebenjährige Krieg und die Napoleonischen Kriege brachten weiteres Leid für die Bevölkerung. 1796 wurde der französische Generals Vauban hier gefangengenommen und die Stadt hätte fast das Schicksal von Irndorf teilen müssen, das verbrannt worden wäre, wenn die Österreicher nicht angerückt wären.

Die Unterwerfung unter die Landeshoheit 1803 und der Übergang an Württemberg 1806 gehörten wohl zu den wichtigsten Ereignissen in der Geschichte Mühlheims, wenn es auch noch einige Jahre Sitz des neu errichteten Patrimonialoberamtes blieb. Die Stadt verlor an Bedeutung durch den Verlust des Status eines Hauptortes einer relativ selbstständigen politischen Einheit.

Die Ansiedlung der feinmechanischen und Textilindustrie in den letzten Jahrzehnten, seine günstige Verkehrslage sowie der Zustrom vieler Heimatvertriebener, darunter viele Donauschwaben, nach dem Zweiten Weltkrieg ließen das Städtchen wieder aufleben und gaben ihm seine zentrale Stellung unter den Gemeinden am Anfang des Donautales wieder.