zum virtuellen Rundgang                   Streifzug durch die Stadtgeschichte
 
Veitskapelle und Galluskirche
 
Am Ortsausgang der Vorstadt Richtung Kolbingen gelangen Sie auf den Donau-Radwanderweg und erreichen nach etwa einem Kilometer den Friedhof. Die Galluskirche ist im 10. und 11. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut und enthält Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die Veitskapelle als Beinhaus mit hölzerner Außenkanzel wurde 1458 erstmals erwähnt. Im Hintergrund sehen Sie den Gelben Fels, der wegen seinem fantastischen Ausblick auf das Donautal einen Aufstieg wert ist.
 
Aus der Frühgeschichte der Stadt: 
 
Das älteste Gotteshaus ist die dem Hl. Gallus geweihte Friedhofskirche. Teile ihrer Bausubstanz, vor allem aber die Südwand mit ihren wechselnden Steinschichten aus Kalk und Tuff, dürften in die Zeit der Ottonen (10./11. Jh.) zurückreichen. Dieses ottonische Kirchlein ist nicht die erste christliche Kultstätte. Als 1430 nach einem Umbau die Kirche neu geweiht wurde, geschah dies zu Ehren des Hl. Mauritius und seiner Genossen, des Hl. Gallus und anderer. Die Heiligen Mauritius und Gallus waren der Weihenotiz zufolge die beiden gleichberechtigten Hauptpatrone der Kirche. Auf die Patrozinerurkunde gestützt, lassen sich drei Aussagen machen: 
 
1. Alt-Mühlheim mit seinen Mühlen an einer seit der Römerzeit befahrenen Handelsstraße, der späteren Reichsstraße, war schon zur Zeit der Christianisierung der Alemannen im 7./8. Jh. ein Stützpunkt des Christentums. 
 
2. Der Hl. Mauritius, der Anführer der Thebaischen Legion, erlitt um 300 n.Chr. bei Agaunum, südöstlich des Genfer Sees den Märtyrertod. Der Hl. Gallus missionierte nach 610 in der heutigen Nordschweiz, wo er 641 oder 645 verstarb. Die Verehrung der beiden Heiligen hatte ihren Ursprung in der Schweiz und breitet sich von dort aus. Die Impulse für die Christianisierung unserer Heimat dürften daher von der Schweiz ausgegangen sein. Einen nicht unmaßgeblichen Einfluss spielte dabei die erwähnte Handelsstraße vom Bodensee ins Albvorland. 
 
3. Die älteste Kirche, in der Frühphase der Christianisierung errichtet, stand vermutlich unter dem Schutze des Hl. Mauritius. Zu einem späteren Zeitpunkt, möglicherweise erst im 9. Jh., als das Kloster St. Gallen Besitz und Einfluss in unserer Gegend gewann, wurde dem Hl. Mauritius der Hl. Gallus als Kopatron beigegeben. Im 10./11. Jh. wurde die alte Kirche abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, dessen Grundriss im wesentlichen heute noch erhalten ist. Kurz vor 1430 entschlossen sich die neuen Besitzer, die Herren von Enzberg, einen neuen Chorraum zu errichten. Wohl gleichzeitig erfolgte der Abbruch der nördlichen Chorwand und der Anbau eines Seitenschiffes, das zur Grablege des Hauses Enzberg bestimmt war. Am 1. Oktober 1430 weihte Weihbischof Johannes, in Vertretung des Bischofs Otto von Konstanz, die Kirche und den Friedhof zu Ehren des Hl. Mauritius und seiner Genossen, des Hl. Gallus, der Hl. Maria, der Hl. Dreifaltigkeit und des Hl. Kreuzes. In den folgenden Jahrzehnten ging das Mauritius-Patrozinium verloren, und nach 1500 wird nur noch der Hl. Gallus als Patron erwähnt. Etwa zur gleichen Zeit verlor die Altstadtkirche an Bedeutung, da der Pfarrer seinen Sitz in die Stadt hinein verlegte. Die Kirche scheint auch baulich vernachlässigt worden zu sein. Erst im 18. Jh. erfolgten die längst fälligen Maßnahmen. 1728 wurde ein neuer Choraltar errichtet, und 1753 erhielt der Mühlheimer Bildhauer Franz Korb den Auftrag, den Hochaltar zu fertigen. Gleichzeitig wurde die Sakristei neu gebaut und der Chor gerichtet. Nachdem um 1900 die mittelalterlichen Fresken entdeckt worden waren, erlebte das Kirchlein eine Renaissance. Der Kunstmaler Konrad Albert Koch aus Schörzingen legte, unterstützt von Pfarrer Heinrich Dörr und dem Mesner, 1906 die Fresken frei und renovierte das gesamte Kircheninnere. Die Galluskirche in der Altstadt war und ist auch heute noch die eigentliche Mühlheimer Pfarrkirche. In sie waren 1811 alle Gläubigen zu Mühlheim der Stadt, in der Altstadt mit Mesnerhaus, im Leprosenhaus in den drei Mühlen eingepfarrt, außerdem zwei Drittel der Einwohner des Dorfes Stetten, die Bewohner von sieben Häusern zu Kolbingen und die Bewohner des Welschenbergs. Die älteste Pfarrgemeinde bildeten die Bewohner der Altstadt mit den Mühlen. Diese Gemeinde erweiterte sich um die Einwohnerschaft der bald nach 1200 auf dem Bergsporn südlich der Donau errichteten Stadt. Im 14. Jh. dürfte das Leprosenhaus erbaut und eingepfarrt geworden sein. Die Bewohner der nach 1652 eingerichteten Wallfahrt auf dem Welschenberg zählten bis zum Abbruch der Wallfahrtskirche 1811 zu der Pfarrei Mühlheim.