zum virtuellen Rundgang                  Streifzug durch die Stadtgeschichte
 
Die Ruine der Wallfahrtskirche Maria Hilf
 
"Maria Hilf" auf dem Welschenberg, eine 1652 erbaute Kapelle, wurde 1661 als Wallfahrtskirche geweiht. 1756 entstand die heute nur noch als Ruine erhaltene Kirche mit prächtiger Innenausstattung und einem 130 Fuß hohen Turm. 1811 wurde die Wallfahrt aufgehoben und die Kirche geschlossen. Im 19. Jahrhundert erfolgte der Abbruch der Kirche und der anderen Gebäude. Geblieben ist ein kleines, offenes Kapellchen, in dem gelegentlich noch Gottesdienste abgehalten werden. Die Abbildung zeigt ein Aquarell von Maria Hilf aus der Sicht des Mühlheimer Malers Josef Alfons Wirth (1887-1916).
 
In Maria Hilf findet jährlich ein viel beachtetes Sommerkonzert des Beuroner Chors statt.
 
Wegbeschreibung einer Wanderung zur Ruine "Maria Hilf":
                                                   
Das Stadttor ist der Ausgangspunkt unserer Wanderung. Wir gehen links über den "Graben", hinab ins Ostertal. Sogleich folgen wir dem steilen Weg gerade aus zur Ruine Maria Hilf. An der Wegkreuzung kann man auch in Richtung "Glitzernes Kreuz" gehen und die schöne Aussicht genießen, ehe man dem markierten Weg Richtung Maria Hilf folgt (Lit.: Benedikt Welser von Gnadenort zu Gnadenort in Baden-Württemberg , 1956, Seite 106)
 
Unter den schwäbischen Wallfahrtsstätten, die einst in hoher Blüte standen und heute als Ruinen trauernd zum Himmel ragen, dürfte die Maria Hilf auf dem Welschenberg bei dem alten Städtchen Mühlheim die stimmungsvollste sein. 1649 nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges brachte der damalige fromme Pfarrer von Mühlheim, Georg Walther, ein Muttergottesbild an einer Eiche auf dem Welschenberg an. Es handelte sich um einen Nachbildung des Gnadenbildes von der Provinz Südbrabant in Welschland. Sehr wahrscheinlich kommt daher auch die Bezeichnung "Welschenberg". Dem Beispiel des frommen Pfarrherrn, der oft seine Andacht im Schatten der Eiche verrichtete, folgten bald auch seine Pfarrkinder. 
 
Besonders an Sonn- und Feiertagen ging man gerne hinauf "zur heiligen Eiche", wie sie bald genannt wurde. 1652 wurde daselbst einen Kapelle gebaut, und zwar so, dass die Eiche eingeschlossen war. Vom Bischof von Konstanz kam die Erlaubnis, im neuen Waldkirchlein das hl.Opfer darbringen zu dürfen. Bald war das Heiligtum "Maria Hilf" zu klein, um die vielen Wallfahrer aufzunehmen. Am 11.September 1661 konnte die neue Wallfahrtskirche eingeweiht werden. Die Gnadenstätte wurde dem besonderen Schutz des Bischofs von Konstanz unterstellt. Dieser besetzte sie mit zwei Priestern und einem Laienbruder, die Ihre Wohnungen bei der Wallfahrt hatten. 
 
1683 wurde durch Nikolaus Friedrich von Enzberg ein Gasthaus errichtet. Wallfahrer aller Länder und Gegenden besuchten den neuen Gnadenort. Aus der Umgebung zogen die katholischen Gemeinden mit Kreuz und Fahne auf den Berg. Besonders zahlreich waren die Prozessionen in der Bitt- und Pfingstwoche, wo oft an einem Samstag zwanzig Kreuzgänge eintrafen. Aber auch viele mit Kreuz und Leid beladene Pilger kamen, um hier Trost und Hilfe zu suchen. Viele glaubwürdige Personen bezeugten, dass sie hier auf die Fürbitte Mariens Erhörung und Hilfe fanden. 
 
1756 erstand das dritte Gotteshaus mit prächtiger Innenausstattung und mit einem 130 Fuß hohen Turm. In der Mitte der Kirche befand sich die Eiche mit dem hochverehrten Gnadenbild. Vier Marmorsäulen umgaben den Stamm; ihr Wipfel verlor sich am Schlussstein des Gewölbes. 1811 wurde die Wallfahrt für aufgehoben erklärt und die Kirche geschlossen. Damit begann das Zerstörungswerk. Es endete mit dem Abbruch der Wallfahrtskirche und der anderen Gebäude im Laufe des 19. Jahrhunderts. Die Liebe der Gläubigen aber zur Gottesmutter auf dem Welschenberg und zu der altehrwürdigen Gedenkstätte ist geblieben. Zu dem kleinen offenen Kapellchen, das Stadtpfarrer Dörr 1905 errichten ließ, pilgern noch heute Sonntag für Sonntag fromme Beter. 
 
Zur Andacht am Rosenkranzsonntag (1.Sonntag im Oktober), welche die Pfarrgemeinde Mühlheim alljährlich auf dem Welschenberg hält, kommen in Scharen auch Bewohner der umliegenden Gemeinden. Das Gnadenbild (heute im Museum in Mühlheim), stellt die allerseligste Jungfrau dar, bekleidet und gekrönt als die Königin des Himmels mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm. Es ist eingesetzt zwischen die beiden gleichmäßig aus einem Stamm aufsteigenden Hauptgipfel. Zur linken der Eiche kniet ein betender Priester und ein Knabe, zur Rechten steht ein staunender Hirte zwischen seiner friedlichen Herde, dahinter ein ummauertes Städtchen, von fruchtbaren Feldern umgeben und im sanft ansteigende Berge, ein einfaches Bild, und doch voll heiliger Poesie aus der wallfahrtsfreudigen Zeit nach dem Elend des Dreißigjährigen Krieges.