zum virtuellen Rundgang                   Streifzug durch die Stadtgeschichte
 
Das Rathaus
 
Gehen Sie durch das Stadttor, gelangen Sie in das Zentrum der Stadt mit vielen schönen Fachwerkhäusern. Das Rathaus gegenüber vom Brunnen ist ein gotischer Fachwerkbau mit offener Arkade und gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Es wurde 1928 in das Verzeichnis für Baudenkmäler aufgenommen. Eine Säule mit romanischem Kapitell weist auf die Gründungszeit um 1200 hin. Erstmals wurde das Rathaus 1512 erwähnt. Während der gesamten Zeit hat sich das Aussehen des Rathauses nur wenig verändert.  Die Abbildung zeigt das Rathaus mit Blick vom Vorderen Schloss. Einige Meter weiter die Hauptstraße hinunter, kurz vor der Sebastianskapelle, stand das untere Tor, das 1814 abgebrochen wurde. Hinter dem Rathaus befinden sich weitere sehenswerte Fachwerkhäuser, z.B. das Vogtshäusle und das Haus Wallenburg.
 
Aus der Geschichte des Rathauses: 
  
Nur wenige Städte können für sich in Anspruch nehmen, dass ihre Geschichte seit der Stadtgründung in ein und demselben Raum entschieden worden sind, wie dies in Mühlheim der Fall ist. Was könnten die Säulen, die das Rathaus tragen berichten? Mitten im Rathaus steht eine solche Säule mit einem romanischen Kapitel, das noch aus der Gründungszeit der der Stadt um 1200 stammen dürfte. Schon ein Gutachter von 1862/63 weist darauf hin, dass das Rathaus wohl 600 Jahre alt sei. Das Rathaus gehört damit zu den ältesten Gebäuden der Stadt, wenn es nicht gar das Älteste ist. Erwähnt wird es erst 1512. In den bald 800 Jahren seines Bestehens hat sich das Aussehen des Rathaus nur wenig verändert. 1716 erhielt es ein neues Dach. Knapp 50 Jahre später, 1762 wurde das Gebäude renoviert. ein wesentlicher Eingriff in die Bausubstanz erfolgte Mitte des 19. Jahrhundert. 1844 beschloss der Gemeinderat, ein neues Schul- und Rathaus mit Bürgerversammlungsraum, einem Ratszimmer, einer Registratur, einer Wartestube und einem Gefängnis zu erbauen. Diesen Plan ließ man wegen Geldmangels schon im darauffolgenden Jahr fallen und beschloss, das Rathaus beizubehalten und zu renovieren. Aber auch dazu fehlte das Geld und man liebäugelte mit dem Abbruch. Im o.g. Gutachten hieß es: "Das Rathaus dürfte wohl 600 Jahre alt sein. Da unter demselben ein Magazin sich befindet, die Ratstube selbst auf eigenen Säulen ruht, so gereicht sein Anblick nach dem heutigen Geschmack öffentlicher Bauten keineswegs dem Ständchen zur Zierde". Ganz abgebrochen wurde es gottlob nicht. Nur der die ganze Hintere Gasse überragende Teil fiel der Spitzhacke zum Opfer. Erst 1886 konnte das Rathaus gründlich renoviert werden. Prof. Tobias Weiß aus Nürnberg entwarf die Wanddekoration. Ausgeführt wurde sie in Sgraffito durch den Dekorationsmaler Speck aus Wurmlingen. 
 
Das Gebäude wurde samt dem oberen Tor 1928 in das Baudenkmälerverzeichnis eingetragen und somit ein Kleinod der Stadt. Änderte sich das Äußere nur wenig, so erfuhr das Rathaus im Innern, vor allem in den letzten hundert Jahren, ein völlige Umgestaltung. Das Erdgeschoss früher Laube genannt, war nach allen Seiten offen. Im 19. Jh. waren im hinteren Teil der Ortsarrest und Magazinräume eingebaut. Im Obergeschoss gab es ursprünglich nur die hintere Stube und die Ratsstube. Bei Räume waren heizbar. Auf dem Rathaus befand sich wohl schon immer ein Dachreiter mit Glocke und Uhr. Die Glocke trägt die Inschrift: Dies Gloegli machet Hans Klain in rowil anno MCCCCXVI. Sie rief früher die Bürgschaft zur Bürgerversammlung zusammen. Die beiden Uhrentafeln mussten 1734 renoviert werden. 1758 wurden sie mit Gold belegt. 
 
Im Laufe seiner Geschichte erfuhr das Rathaus eine vielfältige Benutzung. Das Erdgeschoss wurde früher auch Kaufhaus oder Grethaus genannt, wo Salz und Getreide angeboten wurden. Nach der Kaufhausordnung von 1743 durfte jede geleistete Arbeit mit Frucht bezahlt werden. Was aber für bares Geld Verkauft wurde, musste im Kaufhaus geschehen. Da das Obergeschoss weit in die Vordere und Hintere Gasse hineinragt, konnten Fuhrwerke auch bei schlechten Wetter be- und entladen werden. Seine Verwendung als Marktstände, ist wiederholt bezeugt. Auch zu Tanzveranstalltungen diente es. Im Obergeschoss traten im großen Saal die Bürgschaften und das Stadtgericht zusammen. Das letztere dürfte sich, wenn Recht gesprochen wurde, ursprünglich im Erdgeschoss unter dem vorspringenden Teil an der offenen Teil an der offenen Straße versammelt haben, wie es die alte germanischen Rechtstradition forderte. Vermutlich schon im ausgehenden Mittelalter tagte das Stadtgericht im wettergeschützten Obergeschoss. 
 
Während des Naubaus der Stadtkirche diente die Gerichtsstube als Gottesdienstraum. Von 1792 bis 1797 wurde im Rathaus die Heilige Messe gelesen. Am 28.01.1797 versammelte sich die Bürgschaft erstmals wieder im Rathaus. Von 1802 bis 1845 diente das Rathaus als Schulhaus. Der zweite Raum, das hintere Stüble, wurde 1539 erstmals erwähnt, als hier der Propst von Beuron fünf Tage lang gefangen gehalten wurde. Die Wahl des Stadtgerichts fand spätestens seit 1561 hier statt.